Kategorie-Archiv: Beziehungen

Ideen-Dusche – Worauf bist du neugierig?

Do, 14.04.16 – 19 Uhr · Teestube Blattlese · Bad Segeberg ·

Ein Abend für Kreativität,
Austausch und Umsetzung

Te-Logo-orange-50Mit Humor  – Das Thema und andere kennenlernen, dafür nutzen wir wieder das Wortwitz-Spiel: Wer richtig fragt, hat viel gesagt.

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Auf dem Sofa –  Ein Gast im Interview mit Jörg Poedtke: eine Idee, eine Geschichte, eine neue Tür, durchgehen?  Heute: Warum ich im Beruf gerne Gastgeber bin. 

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Anschließend für eigene Ideen – Inspiration und Aus-tausch zu Möglichkeiten für die Umsetzung. Das schafft neue Verbindungen und  macht hier gute Gespräche aus.

Anmeldung
* Dörte Lüthje – doerte.luethje@freenet.de – 0157 76 46 51 27
* Jörg Poedtke – mail@talentecafe.de – 0178 8 35 35 37

Eintritt: 10 Euro, ermäßigt 7 Euro [Schüler, Arbeitslose, Alleinerz.]

VeranstaltungsortTeestube Blattlese
Hamburger Str. 39 – 23795 Bad Segeberg

Eine Veranstaltung von und mit Jörg Poedtke
Herzlich willkommen – Fragen? Einfach Jörg Poedtke anrufen

Einladung Talente Cafe Do 14..04.16 – Ideen-Dusche – Bad Segeberg

Te-Logo-orange-50Entdecken · Erproben · Erweitern

Was ist das Talente Café? 
Das Talente Café ist ein Veranstaltungsformat mit wechselnden Schwerpunktthemen, mit der Möglichkeit, eine
vielleicht bisher mehr verborgene Leidenschaft zu zeigen
oder neu zu entdecken, wofür das Herz schlägt.

 Des Weiteren gibt es Kurse, Coaching und Projekt-Begleitungen für den Fahrplan von der Idee zur Verwirklichung. Mit Selbstvertrauen den eigenen Weg gehen.  

Stabilität kommt, wenn du tust, wovon du überzeugt bist.

 Ergänzende Info
* Veranstaltungsformat Neuorientierung / Ideen-Dusche
* Wozu ist eine Lern-Werkstatt gut?

Zeitreisen – Ein Kultur.Forscher -Projekt

Kinder und Jugendliche auf Entdeckungsreise an der Freiherr-vom-Stein-Schule

Mit nachfolgendem Video stellte sich Jörg Poedtke den beteiligten Schülern des Kultur.Forscher-Projektes „Zeitreisen“ vor. Als Ideen-ratgeber, Anleiter für das Vorgehen und Geschichten-Unterstützer begleitet er Schüler für ihre Zeitreisen-Projekte in das alte Ägypten, Griechenland und Rom.

Einladend! Offene Türen empfangen mich, als ich am Donnerstag, 21. Mai den Unterstufentrakt der Freiherr-vom-Stein-Schule in Neu-münster betrete. Es herrscht eine anregende Atmosphäre in den jahrgangsübergreifenden Klassen 5-7.  Ich bin gleich mittendrin in der ästhetischen Forschung , dem Lernen mit allen Sinnen, unter Einbe-zug des Umfeldes und Künstlern, Kreativen, Handwerkern, Wissen-schaftlern.

Ästhetische Forschung = Lernen mit allen Sinnen

Anhand einer Forscherfrage, die sie selbst im Team entwickelt haben, lernen Schüler im Spannungsfeld der nachfolgend zu sehenden Forschungsfelder.  Mal steht die Alltagserfahrung im Vordergrund, mal Vorgehensweisen aus Kunst oder Literatur, mal wissenschaftliche Verfahren – und oftmals, wie heute auch, ist es eine Kombination von allem.

Ästhetische Forschung
Quelle: Leitidee Ästhetische Forschung – Deutsche Kinder und Jugendstiftung

Den eigenen Weg des Lernens entdecken
Der eigenen Neugier nachgehen können

Was mich sofort fasziniert, ist die Tatsache, wie hier der intrin-sischen Motivation (= Motivation, die von innen kommt) Raum gegeben wird: Kaum habe ich in einem weiträumigen Flur meinen Platz mit meinem Talente Café -Banner eingenommen,  begrüßen mich die ersten Schüler und fragen mich, ob ich ihr Forscher-Tagebuch anschauen will. Es gilt gleich für mich, die richtige Balance zwischen Anleitung und Freiheit zu finden, Anleitung und Freiheit für die eigenen Gedanken der Schüler … um so herauszufin-den, ob sie schon eine Forscherfrage haben und was genau sie jetzt brauchen – auf dass sie für meine Hinweise empfänglich sind.

* Beispiel 1: Wie wurden Sklaven behandelt?

  • Jelena und Diana sind in ihrem mehrköpfigen Team für das  Drehbuch verantwortlich, gemeinsam wollen sie in einem Theaterstück zeigen, wie Sklaven unterdrückt wurden. Der Pharao und eine Sklavin spielen die Hauptrolle. Die Mutter und ihre 5 Kinder müssen sterben, weil die Sklavin gegen den Pharao aufbegehrt hat.
    Meine Unterstützung ist gefragt, als es darum geht, von Ideen und Forscherfrage zu Struktur und Spannungsbogen zu kommen. Was mich sehr erfreut hat, ist die Wachheit der beiden, wie sie sich gegenseitig unterstützen und reflektieren, was in ihr Stück hinein-gehört, um am Ende die Forscherfrage beantwortet zu haben. Ihre Neugier, ihr unvoreingenommenes Nachgehen im Austausch lässt uns gemeinsam eine überraschende Wendung für das Stück entwickeln. Zudem nehmen beide mit, was an ihrem Drehbuch zu ändern ist. Aber das gehört ja dazu: Ein Forscher überprüft seine Annahmen, lässt sich auf neue Erkenntnisse im Team ein, ent-wickelt und passt die notwendigen Schritte an. Und setzt diese Schritte unter Berücksichtigung neuer Erkenntnisse um..

Wenn wir ästhetisch lernen, ich meine, wenn wir mit allen Sinnen wahrnehmen, zuhören, empfinden, lernen, dann entsteht etwas,
das sich als lebendige Kommunikation, Reflektion, Klarheit, Weiter-gehen ausdrückt. Es geschieht etwas im gemeinsamen Tun, das sich
als förderliche Entwicklung und Ergebnis begreifen lässt. 

Beispiel 2: Wie viele Steine wurden in einer Pyramide verbaut?

  • Paul und Mattes haben diese Frage für sich gewählt, weil sie auf einem ihnen fremden Gebiet etwas lernen wollten.  Die beiden ergänzen sich sehr schön: Paul erzählt lebhaft von seinen Erkennt-nissen, die er aufgrund von Recherchen im Internet gewonnen hat. Mattes wirkt introvertierter, nachdenklicher, ist gleichwohl sehr wach dabei … und interessiert sich spontan dafür, wie sie ihre Forscher-Ergebnisse anschaulich darstellen sollen.
    „Wie können wir andere neugierig machen, sich unser Projekt genauer anzuschauen? Und sollten wir Zuschauer über eine Aktivität einladen, etwas zu Steinen und Pyramiden zu erfahren?“, lauten zwei von mehreren Fragen in unserem Gespräch. Auch hier geht es darum, das Vorgehen weiter zu verfeinern, Engpässe zu erkennen und das Gerüst für die Darstellung zu skizzieren. Die Freude ist sichtbar zu spüren, wie die beiden Schüler Schritt für Schritt sich auf das Erkunden von Möglichkeiten für ihre Präsenz  einlassen, Ideen verwerfen und Machbares aufgreifen. Am Ende, mehr sei hier nicht verraten, landen wir  gemeinsam bei dem Aufbau für eine Art interaktiver Collage mit Sinneserfahrung.

Nicht nur diese beiden Beispiele haben mir erneut gezeigt, was ergebnisoffene Kommunikation ermöglicht: Im Mittelpunkt stehen Menschen und ihre Erfahrungen und Erkenntnisse … passende Entwicklung kommt in Gang, ein Ergebnis, das sogenannte Produkt formt sich. Und Talente werden auf natürliche Weise sichtbar.

InteresseUnd was ist mit dem Problem der Unsicher- heit? Vertrauen in offene Prozesse ist gefragt, die ästhetische Forschung bietet hierfür den passenden Rahmen. Die Unsicherheit ist eine Herausforderung, aber sie gehört zum Forschungsprozess dazu. Umso wichtiger ist es, mit den Schülern ein Ziel zu formulieren, etwas zu präsentieren. Denn ein stimmiges Ziel vor Augen zu haben, gibt Orientierung, stärkt den Mut und inspiriert die Motivation.

Ist ästhetisches Lernen für andere Felder geeignet?

Unbedingt. Denn das selbstorganisierte, ästhetische Lernen setzt neue Anreize und ist dadurch sehr motivierend, effektiv und effizient, um Antworten hierfür zu entdecken:

  • Wo liegt das echte Interesse? Was begeistert?
  • Was sind die Talente und Rollen in einem Team?
  • Was ist das passende Vorgehen / Schritte als Fahrplan?
  • Was zeigen wir von uns in einem Ergebnis / Produkt?

Das passt für Schüler wie für Arbeitslose, für Mitarbeiter in Unter-nehmen wie für Existenzgründer – und viele andere mehr.

Ästhetische  Forschung ist eine Symbiose aus Prozess und Ziel: Sie macht Sinn, wenn man sich auf den Weg begibt, ohne ein bereits vor-hersehbares Ergebnis zu haben. Ein Weg mit Unwegsamkeiten und ungewissem Ausgang. Die Teilnehmer folgen bestimmten Zielvorstel-lungen und verlassen sie wieder, greifen andere auf, erarbeitete Dinge und Gedankenwege werden umgeformt und so weiter und so weiter.

Sein Interesse und Fähigkeiten dort einbringen, wo etwas Freude macht, ist angesagt. Offenheiten aushalten und sich unter Unsicher- heit entscheiden wird hier eingeübt, die Teilnehmenden knüpfen an Bekanntem an und kommen zu individuell Neuem.

Ästhetisches Lernen hat etwas mit Horizonterweiterung zu tun.
Das ist wie auf einer Reise einen Schatz zu entdecken und diesen gemeinsam heben, könnte man sagen. Die Unterstufen-Schüler der Freiherr-vom-Stein-Schule haben damit begonnen und entdecken so, was es bedeutet ein Forscher zu sein, die richtige Frage zu stellen – und was das alles mit ihnen und ihren Interessen und Talenten zu tun hat. Ich bin schon sehr gespannt, ob es eine Forscher-Feier gibt, auf der sich die Schüler und ihre Projekte zeigen.

Mal schauen, was als Nächstes kommt.

Wissen – Verstehen – Anwenden – Analysieren – Reflektieren – Tun

Te-Logo-orange-85Jörg Poedtke

P.S. Interessante Links zum Thema:
* Freiherr-vom-Stein-Schule – Freude am Lernen, Freude am Leben
* Deutsche Kinder- und Jugendstiftung – Sponsor von Zeitreisen
* 15 Thesen ästhetischer Forschung von Helga Kämpf-Jansen

Mehr Selbst-Sicherheit = Gute Beziehungen?

Bildung neu definiert – Ein Plädoyer mit Beispielen   – Teil 2

Jörg Knüfken, Initiator des Projektes „Schreibmodus e.V.“ in Dorsten über Beziehungsaufbau, Selbstsicherheit und was das mit Schreiben nach dem Freedom-Writers-Prinzip zu tun hat.

Jörg, du hast das Projekt Schreibmodus  ins Leben gerufen, da stecken die Worte ‚Schreiben‘ und ‚Modus‘ drin.
Was bedeutet das genau?  
Jörg Knüfken
Jörg Knüfken

Ich fange mal mit dem Wichtigsten an: Schreiben. Letztlich ist es mir in diesem Projekt gelungen, Schülergruppen zu bewegen, regelmäßig ein Tagebuch zu schreiben. Die haben mich ihre Einträge lesen lassen, das war die entscheidende Brücke für mich, die Jugendlichen mit ihren Anliegen wahrhaftig kennenzulernen, ihre Hintergründe, Gedanken und Probleme. So gelang der Beziehungsaufbau, um den es hier im Kern geht. Dieser Beziehungsaufbau fördert die Selbst- sicherheit der Schüler und er hat auch meine Selbstsicherheit im Auftreten vor Schülern gestärkt.  

Wie hat ‚Schreibmodus‘ begonnen, wie ist es entstanden? 

Die Anfangsphase ist jetzt (Sept. 2014) fast dreieinhalb Jahre her.
Es ging damals darum, Schüler einer Brennpunkt-Hauptschule, genauer eines achten Jahrgangs und davon die sogenannten sech-zehn sogenannten schlimmsten Schüler in den Nachmittagsunter-richt zu integrieren, der zu der Zeit bei uns verpflichtend war. 

Diese Schüler galten als nicht beschulbar, im Nachmittagsbereich erst recht nicht, sie zerstörten kollektiv die AGs usw. Wir haben uns gefragt: Wie viele Schüler davon konzentrieren wir in einer Gruppe, damit die anderen wenigstens etwas machen können? Das war vor-rangig. Ich hatte die Aufgabe, sie in irgendeiner Form zu beaufsich-tigen.  Übungen, die sie in ihrer Entwicklung unterstützen sollten, haben ihnen überhaupt nicht gefallen. Daraufhin habe ich beschlos-sen: Das muss ich uns nicht antun, jede Woche nachmittags irgend- etwas Pädagogisches, das bringt nichts, ich zeig‘ den stattdessen jede Woche einen Spielfilm. Auf der Suche nach geeigneten Filmen habe ich „Freedom Writers“ entdeckt. In dem Film  bewegt die amerika-nische Lehrerin Erin Gruwell Ghetto-Kinder, die Waffe wegzulegen und den Stift in die Hand zu nehmen. Wenn die das hinbekommen hat, so dachte ich, wird es auch mit „meinen KIndern“ klappen, die sind gar nicht „soo schlimm“. Ja, so begann unsere Geschichte.

Du hast den Jugendlichen irgendwann ein Tagebuch zum Aufschreiben ihrer Gedanken gegeben. Warum hast du dich hierfür an dem Vorgehen der Freedom Writers orientiert?

Das hat sich Schritt für Schritt entwickelt. Die Freedom Writers sprechen viele Dinge an: Im Film habe ich die Hollywood-Wirklich- keit. Diese wilde Wirklichkeit hat die Jugendlichen bei uns total berührt und angesprochen, weil die Charaktere der Schüler im Film sehr ausgeprägt dargestellt sind … und so konnte ich immer wieder eine Brücke zwischen Film und unserer eigenen Wirklichkeit bauen.  

Der Projektverlauf stand nicht fest, den hab‘ den Woche für Woche ausgestaltet. Ich habe den Schülern vorgeschlagen, ein Spiel zu spielen, mit fünf Aufgaben. Wenn sie die erfüllt haben, fahren wir nach Amsterdam, ist ja nur 2 Stunden Fahrt von uns. Zu diesem Spiel waren sie bereit. 

Einige Übungen, die die Freedom Writers machen, sind im Film skizziert. „Wenn die das können“, habe ich den Schülern gesagt, können wir das auch machen. Sogar die haben Tagebuch geschrieben, dann schreibt ihr doch auch Tagebuch.“ Das führte dazu, dass nicht irgendein dahergelaufener Pädagoge sagt: „Komm, schreib Tage-buch.“ Vielmehr haben die Jugendlichen gesehen, da sind wirklich „schwere“ Jungs und Mädchen, selbst die haben‘s gemacht … dann probier‘ ich es eben auch mal aus. Das war total hilfreich. 

Schön, diese Brücke zwischen Film und Wirklichkeit.
Was hat sich hieraus alles ergeben?

Das ist eine Menge gewesen. Unser Buch heißt zwar „Das Wunder bleibt aus“, gleichwohl sind viele wunderbare Dinge geschehen, zum Beispiel eine 1,5-stündige Skype-Konferenz mit den Freedom-Writers in Amerika. Darüber haben wir die persönlich kennen-gelernt, ein emotionales Erlebnis für die Schüler und für mich.

Dann ist etwas für unser Projekt absolut Entscheidendes passiert: Wie die Freedom Writers haben wir ein eigenes Buch über unsere Tagebücher geschrieben, der Care-Line Verlag hat es veröffentlicht. Hieraus hat sich ergeben, mit den Schülern zusammen unser Projekt deutschlandweit zu präsentieren und Workshops zu geben.

Die Gründungsmitglieder von Schreibmodus e.V.
Die Gründungsmitglieder von Schreibmodus e.V.

Und schließlich haben wir den Verein Schreibmodus gegründet, an dem auch ehemalige Schüler beteiligt sind. Mit diesem Verein realisieren wir Les- ungen, Seminare, Veranstaltungen etc.

Ein Jahr später kam Erin Gruwell zu uns nach Dorsten. Mit ihr, 120 Schülern und 150 Lehrern haben wir eine Ganztags-Veranstaltung durchgeführt. Und es war ein Highlight für mich, von Erin Gruwell für eine Freedom-Writers-Fortbildung nach Long Beach, Los Angeles eingeladen zu werden.

Hinzu kommen mittlerweile weltweite, nachhaltige Kontakte. So mischen sich Film-Wirklichkeit, reale Wirklichkeit und mediale Ereignisse. Ich persönlich mag es sehr, damit ein bisschen zu spielen.

Spielen und Fortbildung nochmals vertieft: 
Wer ist dann Jörg Knüfken in diesem Projekt?

Ich sehe mich zunehmend als Anstifter für andere Pädagogen. Ich habe eine Erfahrung gemacht, die nenne ich die Quadratur des Kreises. Damit meine ich, ich war in meinem Denken in dem System, in dem ich mich bewege, verhaftet. Dieses System, Bildung genannt, ist aus meiner Sicht einseitig ausgerichtet. Von Jugendlichen wird zuallererst verlangt: Du musst in das System passen, es gibt keinen anderen Weg. 

Hier war es andersherum, und das hat wirklich hervorragend geklappt: Das System muss zum Schüler passen, was ich ich total genial finde und gerne weitergeben möchte. Im Nachhinein betrachtet war es einfach, dass auf diese Weise untereinander Beziehungen entstanden sind, die Sicherheit geben. Die Schüler haben praxisnah sehr viel gelernt, auch wenn sie das Gefühl haben, sie würden gar nicht viel lernen. All diese Erfahrungen und Ergebnisse empfinde ich als einen Segen.

Was ist das Erfolgsgeheimnis dieses Vorgehens?
Warum legen Jugendliche den Schalter zu konstruktiver Entwicklung um?  Sie galten als unbeschulbar …

Keine leichte Frage … Ich meine, meine Kollegin und ich haben einen ewigen Kreislauf durchbrochen. Wer respektiert wen zuerst? Und wie baut sich wechselseitig Respekt auf? Das waren entscheidende Fragen. Indem wir ihre Tagebücher gelesen haben, haben wir gesagt: Wir bringen den Jugendlichen erst mal unbedingten Respekt für ihre Lebensleistung entgegen. Diesen, unseren Respekt haben sie aufge-nommen, aufgesaugt, und es war sehr schnell so, dass wir diesen Respekt zurückbekommen haben. 

Respekt geben und Respekt  nehmen ist wie in einem Ping-Pong-Spiel, das immer noch funktioniert. Genau dies gibt den Jugendlichen das Gefühl der Sicherheit und der Druck wird aus der Gesamtsituat-ion herausgenommen. Jeder weiß: Ich brauch‘ nicht um meinen Status kämpfen, ich bin einfach da. Gerade mit diesen ersten Gruppen von insgesamt 140 bis 150 Schülern ist so viel gelungen. Im besten Sinne konnte Nähe entstehen, das war entscheidend.

Das Buch, das du mit den Jugendlichen geschrieben hast, heißt „Das Wunder bleibt aus.“ Worum geht es darin?

Schreibmodus Das Wunder bleibt ausDas Buch gibt vier verschiedene Punkte aus dem Projekt wieder. Grundsätzlich werden Methodik und Übungen beschrieben, die wir gemacht haben. Darüber hinaus ist es ein Handbuch für Lehrer. Herzstück sind allerdings die zusammengefassten Tagebuch-Einträge der Schülerinnen und Schüler, auch meine Einträge sind dabei. Das Ganze ist schon sehr emotional. 

Der Leser bekommt einen tiefen Einblick in einen Lebensabschnitt der Schüler sowie in den Projektalltag mit allen Höhen und Tiefen und den Schwierigkeiten, die es immer wieder gab. Die Schüler selbst sind mit einigen Portraits charakterisiert. 

Inzwischen gibt es sogar ein Fortbildungsprogramm.
Was macht euer Fortbildungsangebot aus?

Unser Fortbildungsprogramm ist sehr praxisnah. Es steht unter der Leitlinie, alles, was wir den Schüler anbieten, vorher selbst auszu-probieren. So fangen auch die Lehrer-Kollegen und -Kolleginnen an, probeweise Tagebuch zu schreiben und machen wesentliche Elemente exemplarisch mit. 

Als Alleinstellungsmerkmal sehe ich auch, dass ehemalige Schüler – soweit es ihnen terminlich möglich ist – bei der Fortbildung mit dabei sind. Als weiteren Schwerpunkt haben wir eingebaut, wie man mit Schülern noch weiter arbeiten kann. Neben dem Freedom-Writers-Schreiben vermitteln wir das erfahrungsorientierte Lernen. Zudem sensibilisieren wir die Teilnehmer, wenn selbst so eine Art Projekt realisieren möchten, wie sie Ressourcen, die vielleicht sonst nicht zur Verfügung stehen, hier einbringen können. Da gibt‘s im Umfeld zum Beispiel Theater-Pädagogen, Sportler usw., die gut hineinpassen.

Was ist das Hauptanliegen?

Wir möchten dafür begeistern, dass es Möglichkeiten gibt, nach-haltige Beziehungen mit Schülern aufzubauen. Dafür ist unsere Methode ein Weg, es gibt sicher noch weitere. Beziehungsaufbau ist die absolute Grundlage, um lernen zu können und den Schulalltag erfolgreich zu gestalten. Das ist der Kern unseres Forbildungs-angebots. Und wir in der Schule sind für diesen Beziehungsaufbau verantwortlich, denn der ist wie gesagt sehr wesentlich.  

Hast du eine Empfehlung für Schüler, Eltern und Lehrer,
die sich inspiriert fühlen, dem Freedom-Writers-Prinzip näher zu treten, es selbst auszuprobieren?

Ich würde das Thema, um das es hier geht, entproblematisieren, ein- fach machen, einfach loslegen. Den Film zu zeigen ist ein guter Start-punkt, das funktioniert nach wie vor, auch wenn er bereits sieben Jahre alt ist. Gerade gestern habe ich ihn einer neuen Gruppe gezeigt.

Alles ist besser als nichts zu machen und alles beim Alten zu lassen. Deswegen empfehle ich, Eltern sollten anregen, Lehrer sollten das Projekt einfach beginnen, am besten in einem breiten Bündnis und Schüler sollten vorschlagen, was sie gerne möchten. Einfach ins Tun kommen. ich kann mich da nur wiederholen. Nach dem gemeinsamen Film anschauen stellt sich dann die Frage: Wollen wir damit etwas Praktisches machen?

Die ersten Projekteinheiten sind schnell erstellt, das findet sich auch alles in unserem Buch wieder, und wie man damit nach außen gehen kann. Der Film ist natürlich der Kern und der Leitfaden, den benutze ich selbst immer wieder. 

Last but not least: Gibt es etwas, was du als Initiator oder
das Projekt Schreibmodus aktuell gebrauchen können?

Wir freuen uns über jeden persönlichen Kontakt, über jede Rückmeldung zum Buch und Film und jeden, der an einem Workshop interessiert ist. Jegliche Form von Vernetzung und Berichte zu eigenen Erfahrungen empfinden wir als hilfreich.

Wir probieren, alle möglichen, passenden Verbindungen zusammen zu bringen, so dass sich dieses Projekt und der Beziehungsaufbau mit Schülern weiter entwickeln kann.

Vielen Dank, Jörg Knüfken für dieses aufschlussreiche Interview*.

Te-Logo-orange-35Wer an dem Projekt ‚Schreibmodus‘ näher interessiert ist,
nimmt am besten mit Jörg Knüfken direkt Kontakt auf:
Telefon 0160-637 09 75 · mailto: info[at]schreibmodus.de

*Das Interview führte und transkribierte Jörg Poedtke.

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